Gibt es einen Zusammenhang zwischen Spenden der Rhön-Klinikum AG, einem der grössten deutschen Konzerne im Gesundheitssektor, dessen Aufsichtsratsmitglied Guttenberg war und dessen Aktien in der Zeit von der Familie Guttenberg gehalten wurden, an die Universität Bayreuth und Merkwürdigkeiten an Guttenbergs Promotion?

Es gibt keine Zweifel mehr, dass die Dissertation von Karl-Theodor von und zu Guttenberg über weite Teile gefälscht wurde, auch wenn zu Guttenberg versucht diese Beweise zu relativieren. Diese Beweise sind der Öffentlichkeit Schwarz auf Weiss zugänglich.

Nun fragt man sich, wie es sein konnte, dass dies einer Universität, welche sich selbst als Elite-Universität versteht, nicht aufgefallen sei und, obwohl der wissenschaftliche Gehalt dieser Arbeit sehr mager ausfiel, dafür noch die Bestnote „summa cum laude“ verlieh. Das wären zwei „Merkwürdigkeiten“.

Damit ist es aber nicht genug: Der Verdacht kam auf, dass zu Guttenberg vor der Verleihung der Promotionsurkunde seinen Namen mit der Anrede des akademischen Doktorgrads schmückte. Fakt scheint zu sein, dass zu Guttenberg im Februar 2007 den Antrag auf vorgezogene Promotion stellte, was laut §17f PO der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth zulässig ist, wenn die Formalitäten für die Veröffentlichung erfüllt und vom Verlag bestätigt sind – immerhin kann eine Drucklegung gut und gerne zwei Jahre brauchen. Diesem Antrag wurde offenbar zugestimmt.

Allerdings fällt auf, dass es zwei unterschiedliche Versionen der Dissertation gibt: Eine von 2006 und welche eingereicht wurde, und eine von 2009, welche behauptet, dass sie 2006 von der Rechts- und Wirtschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth als Dissertation angenommen wurde, sich aber um mehr als das Vorwort von der angenommenen Arbeit unterscheidet. Guttenberg selbst schreibt im Vorwort:

„Die Betrachtungen und Bezugnahmen dieser (2006 eingereichten) Monographie gehen nunmehr bis in das Jahr 2007 – abgesehen von einigen punktuell aktualisierten Gedanken.“

Diese Unterschiede wurden schon im Rahmen Untersuchung der GuttenPlag Wiki entdeckt und dokumentiert.

(Man kann noch anmerken, dass es sich hier um eine „korrigierte“ Fassung handelt. Wenn Guttenberg heute erzählt, er hätte jetzt erst „Fehler“ entdeckt, muss man sich fragen, warum ihm diese in seiner „aktualisierten“ Fassung nicht aufgefallen sind! Es ist also naheliegend, dass Guttenberg hier die Unwahrheit sagt.)

Wie kann das sein? Die Promotionsordnung der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth sagt in §17 (3):

„Der Bewerber hat dem Dekan eine Bestätigung des Erstberichterstatters darüber
vorzulegen, daß die Pflichtexemplare inhaltlich der von der Promotionskommission
angenommenen Dissertation entsprechen und gegebenenfalls, daß die Auflagen der
Berichterstatter (§ 10 Abs. 2 Satz 2) erfüllt sind.“

Welche Arbeit wurde denn eingereicht, geprüft und benotet? Welcher Version entsprechen die benötigten Pflichtexemplare? Immerhin steht in der Fassung von 2009 der Hinweis:

„Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth hat
diese Arbeit im Jahre 2006 als Dissertation angenommen.

Wenn dies die Pflichtveröffentlichung ist, weshalb unterscheidet sie sich von der eingereichten Arbeit? Das mutet seltsam an, da die Rechtmässigkeit der Verleihung der Doktorwürde so nicht mehr sichergestellt werden könnte oder überprüfbar wäre. Es widerspricht auch der Promotionsordnung.

Hier fehlt es also an Transparenz und es liegt an der Universität diese Vorgänge aufzuklären. Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier von Seiten der Universität nicht mit der notwendigen Sorgfalt auf Erfüllung der eigenen Statuten geprüft wurde.

Aber auch dies ist noch nicht alles.

Wie muss man dies in Zusammenhang mit den Spenden von der Rhön-Klinikum AG an die Universität Bayreuth in sechsstelliger Höhe betrachten?

Die Rhön-Klinikum AG gehört zu den Stiftern des Lehrstuhls für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth, welcher 2000 eingerichtet wurde. Dazu spendet die Rhön-Klinikum AG, laut dem „Tagesspiegel“, der Universität Bayreuth jährlich etwa 100.000 Euro.

Was hat die Rhön-Klinikum AG mit Karl-Theodor von und zu Guttenberg zu tun?

Die Familie Guttenberg hielt bis März 2002 etwas über 26% der Aktien der Rhön-Klinikum AG. Karl-Theodor von und zu Guttenberg war zudem von 1996 bis 2002 Mitglied im Aufsichtsrat. Also während seines Studiums und zu Beginn seiner Promotion.

Prodekan an der Fakultät war übrigens Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender, welcher ausgerechnet bis 2007 einen Lehrstuhl an der Fakultät hielt, heute Direktor der „Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie“ und des „Instituts für angewandte Gesundheitsökonomie“,  welcher sich für den 1998 an der Fakultät eingerichteten Studiengang „Gesundheitsökonomie“ einsetzte, welcher ebenfalls von der Rhön-Klinikum AG gefördert wurde.

Es gibt demnach über die Rhön-Klinikum AG Verbindungen zwischen der Fakultätsleitung und der Familie Guttenberg, und es gab einen Geldfluss von der Rhön-Klinikum AG zur Fakultät während des Studiums von zu Guttenbergs. Auch, wenn man hier keine Gefälligkeiten oder gar Korruption nachweisen kann, so bleibt doch ein schaler Beigeschmack und die Promotion Guttenbergs erscheint in einem anderen Licht.

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