Der Spiegel titelt heute „Copy-and-Paste-Affäre – Spitzenforscher stellen Guttenberg an den Pranger“ und schreibt:

Wut, Empörung, Fassungslosigkeit: In der Plagiatsaffäre um Verteidigungsminister Guttenberg melden sich immer mehr Wissenschaftler zu Wort – und rügen das Verhalten des CSU-Politikers. Für die akademische Welt sei er erledigt, sagt ein Spitzenforscher im SPIEGEL.

Wie ist das möglich? Tönte nicht erst in dieser Woche Guttenberg, dass er nur „Fehler“ begangen habe und er „fest überzeugt“ davon sei, dass seine Arbeit dennoch einen „wissenschaftlichen Wert und  Gehalt“ besitze.

Nun, es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder hat Guttenberg recht oder die Wissenschaftler, wobei offensichtlich wird, dass Guttenberg sich und sein Arbeit massiv überschätzt, er offenbart, dass er bezüglich Wissenschaftlichkeit vollkommen inkompetent  ist oder er „unter Realitätsverlust leidet“, wie der Bayreuther Staatsrechtler Prof. Lepsius gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ gegenüber sagte.

Dazu kommt, dass es scheinbar viele Menschen in diesem Land gibt, die sich über die Wichtigkeit des Themas nicht bewusst sind. „Wissenschaftlichkeit“ ist die Grundlage für den Wohlstand in diesem Land, ermöglicht sie erst moderne Technik oder moderne Medizin – ja, selbst die Basis unseres Zusammenlebens beruht auf Rationalität und „Wissenschaftlichkeit“!

„Wissenschaftlichkeit“ ist die Basis der Aufklärung. Ohne sie keine Aufklärung. Keine Aufklärung, keine Demokratie. Keine Demokratie hieße, dass das Gottesgnadentum  – oder ein anderer, (neo-)feudaler Überlegenheitsanspruch – wieder an Bedeutung gewinnen würde, was dem Adel 1500 Jahre lang die Herrschaft zusicherte und würden wir weit zurück in das Mittelalter fallen. Wie das aussieht, kann man in Afghanistan sehen, wo entweder die Gewalt der Landsherren herrscht oder ausschließlich der Glaube zählt und nicht das Wissen.

Betrachten wie also einmal was „Wissenschaftlichkeit“ überhaupt bedeutet:

„Wissenschaftlichkeit“ heisst, dass „Wissen geschaffen“ wird – also, dass die Wahrheit über die Natur und das Wesen der Dinge ans Tageslicht gebracht wird. Der Wissenschaftler ist demnach der Wahrheit verpflichtet! Dies ist der erste Punkt.

Um diese Wahrheit auch zu gewährleisten, müssen wissenschaftliche Aussagen und Erkenntnisse alle Zeit überprüfbar sein. Deswegen müssen Dissertation veröffentlicht werden und ein jeder darf sich ein Bild davon machen, was in einer Dissertation steht. Das ist der Sinn der Sache. „Wissenschaftlichkeit“ lebt also von Transparenz. Dies ist der zweite Punkt.

Verfehlt man in einer wissenschaftlichen Arbeit die Quellen offenzulegen, dann widerspricht dies dem Anspruch der Transparenz. Dies wäre der erste Verstoß gegen wissenschaftliche Prinzipien. Dies muss nicht unbedingt gravierend sein, da dennoch die Wahrheit gewahrt werden kann. Allerdings ist diese dann schwieriger zu überprüfen.

Anders sieht es aus, wenn man fremde Arbeit als die eigene ausgibt – also die eigene Arbeit fälscht. Hier wird bewusst gegen das Wahrheitsgebot verstoßen. Geschieht dies, wird die restliche Arbeit durch die Unwahrheit „vergiftet“, da dann nicht mehr sauber zwischen Wahrheit und Unwahrheit getrennt werden kann. Die Arbeit ist dann nicht mehr „zitierfähig“.

Dementsprechend muss auch der Verfasser einer solchen Abhandlung an Glaubwürdigkeit verlieren. Erst recht, wenn er aus niederen Motiven heraus, wie beispielsweise um sich einen akademischen Grad zu erschleichen, ein wissenschaftliches Werk fälscht. Hier gilt zudem: Absit reverentia vero – die Wahrheit darf nicht vorenthalten werden, um jemanden zu verschonen.

Eine „nicht-zitierfähige“ Arbeit hat für die Wissenschaft jegliche Bedeutung verloren, da sich kein Wissenschaftler auf Erkenntnisse aus der Arbeit stützen kann, ohne die Glaubwürdigkeit seiner Arbeit oder seiner Person zu gefährden.

Guttenberg steht nicht nur unter dem Verdacht unsauber gearbeitet und seine Arbeit über weiter Strecken gefälscht zu haben, er wurde ihm nachgewiesen. Bei der schieren Anzahl an Plagiaten in seiner Dissertation kann man nur von Vorsatz ausgehen, denn niemand macht alle zwei Seiten solche „Versehen“. Es ist auch kein „Versehen“, wenn man 1:1 abschreibt, aber Jahreszahlen korrigiert oder den Satzbau leicht abändert.

Wie es aussieht, ist Guttenbergs Doktorschrift auch nicht das einzige Plagiat aus seiner Feder. Er steht auch im Verdacht, eine 29-seitige Analyse über weite Teile abgeschrieben zu haben.  Die Glaubwürdigkeit Guttenbergs ist damit hinfällig. Guttenberg ist also „wissenschaftlich erledigt“.

Wir als Gesellschaft müssen uns jetzt fragen, ob eine solche Person geeignet ist, ein öffentliches Amt zu bekleiden und uns zu regieren. Zumal Guttenberg nicht nur in seiner Doktorarbeit gelogen und sein Ehrenwort gebrochen hat, sondern indem er bis heute noch steif und fest abstreitet und behauptet, er habe „unbewusst“ „Fehler gemacht„. Eine weitere Lüge.

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