Die Plagiatsucher vom GuttenPlag-Wiki haben pünktlich zu Guttenbergs Rücktritt am 1. März ihren zweiten Zwischenbericht abgeliefert. Demnach fanden sich auf 324 der 393 Seiten 891 Plagiatsfragmente aus 120 verschiedenen Quellen, wobei mittlerweile alle diese Fragmente mehrfach bestätigt wurden. Es wurden also auf 82% der Seiten Plagiate gefunden.

Fasst man die gesamten Plagiate zusammen, so ergibt das 8061 von 16325 Zeilen, wovon 2829 Zeilen verschleierte Plagiate sind (in etwa 70 Seiten fortlaufenden Texts), die bewusst und vorsätzlich entstanden sind und sich nicht durch fehlende Anführungszeichen erklärbar sind. Insgesamt sind dies über 210 Seiten fortlaufenden Text und entspricht etwa 49% der Dissertation.

Zur Bewertung schreiben die Macher von GuttenPlag:

Unsere Bewertung aus dem ersten Zwischenbericht gilt nach wie vor:

  • In der Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht als Zitat gekennzeichnet wurden. Dies ist eine eklatante Verletzung der wissenschaftlichen Arbeitsweise.
  • Die zahlreichen textuellen Anpassungen der Plagiate, die Tatsache, dass die Plagiate über die ganze Dissertation hinweg zu finden sind, und die Tatsache, dass selbst die Einleitung kopiert wurde, lassen darauf schließen, dass diese Plagiate kein Versehen waren, sondern bewusst getätigt wurden.

Die oben genannten Einschätzungen teilen – soweit wir wissen – alle Experten, die sich bis jetzt zu Wort gemeldet haben. Die obige Bewertung ergänzen wir heute wie folgt:

  • Wir stellen fest, dass Herr zu Guttenberg in seiner heutigen Rücktrittserklärung seinen bisherigen Standpunkt, dass in der Dissertation nicht bewusst plagiiert wurde, nicht revidiert hat. Insofern bezweifeln wir ein aufrichtiges Interesse seinerseits, an der Aufklärung der Vorwürfe mitzuwirken.

Außerdem haben sie festgestellt, dass Guttenberg in Fußnoten auch seinen Doktorvater Häberle plagiiert hat, indem er Häberles Fußnoten wie mit der Gießkanne über die gesamte Arbeit verteilt hat., um den Anschein zu erwecken, er hätte Häberles Literatur gelesen. Die Methode wurde kurzerhand „Guttenbergs Gießkanne“ getauft.

Derzeit wird am Abschlussbericht gearbeitet und es steht noch immer eine komplette Analyse der vom Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages übernommenen Texte aus, da sich dies als nicht so einfach erwiesen hat.

GuttenPlag Wiki stellte noch einmal klar, dass Ziel des Projekts die komplette Dokumentation der Plagiate in Guttenbergs Dissertation und die Aufklärung der Umstände ihrer Entstehung und nicht der Rücktritt Guttenbergs ist bzw. war. Dennoch wurde bedauert, dass Guttenberg in seiner Rücktrittsrede „keine klaren Worte zur offensichtlichen Täuschungsabsicht und zur Urheberschaft der Dissertation gefunden hat“ und noch einmal der Vorwurf bekräftigt, dass Guttenberg seine Dissertation bewusst gefälscht hat.

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