Halten wir doch fest:

  1. Ein Erdbeben mit 8,9 auf der Richterskala und einem solchen Tsunami hätte es nach Expertenmeinung auch in Japan nie geben dürfen.
  2. Da es ein solches Erdbeben nicht geben konnte, waren nach Expertenmeinung die Kraftwerke in Japan absolut sicher – auch durch die Notfallsysteme.

Nun gab es ein solches Erdbeben. Es war nicht vorauszusehen. Die Experten haben versagt, da nicht ein vorausgesagtes Szenario eintrat, die Kraftwerke waren eben nicht sicher und die Notfallsysteme, die großzügiger ausfielen, als dies in Deutschland der Fall ist, waren eben nicht redundant genug, um gleich mehrere Reaktoren ins Chaos zu stürzen. 1 : 100.000 sollte ja nur die Wahrscheinlichkeit sein, dass ein solcher Fall eintreten könnte und jetzt sind gleich drei Reaktoren betroffen und all die ganzen schönen Statistiken taugen nur noch als Klopapier.

Jetzt ist es so, dass es in Europa im Jahre 1755 in Lissabon ein solch verheerendes Erdbeben schon einmal gab und auch heute kann man sich dieses Erdbeben nicht erklären, und wenn man sich die Bilanz der Vorkomnisse (Quelle: Wikipedia) alleine vom Kernkraftwerk Biblis anschaut, welches sich im Rheingraben auf einer Verwerfungszone befindet, wird klar, dass auch hier, abseits der kalkulierten Szenarien (!), das „Unmögliche“ hätte möglich werden können:

  • 28. August 2002: Fehler in der Stromversorgung des Notstandssystems. Es kam zu einer „Fehlanregung“ eines Relais und dann zum Stromausfall in einer von insgesamt vier Stromversorgungsleitungen des Notstandssystems. Der hessische Umweltminister bestellt den Vorstand der Betreibergesellschaft ein.
  • 28. April 2003: Der hessische Umweltminister teilt mit, dass seit Inbetriebnahme von Biblis A das Notkühlsystem unzureichend ist und nicht der Betriebsgenehmigung entspricht. Es bestand latent die Gefahr der Überhitzung des Reaktor bei einem Störfall. Der Reaktor wurde deswegen vorübergehend stillgelegt.

Wie gesagt: wie in Japan, abseits der bereits als möglich angenommenen Szenarien! Nun hatte die schwarz-gelbe Regierung den Atomausstieg beschlossen und dabei Laufzeiten verlängert – auch von Uralt-Reaktoren wie in Biblis, Philippsburg oder Neckarwestheim –, selbst ohne eine Aufrüstung dieser Kraftwerke vorzuschreiben und unter Nichtberücksichtigung von Studien, wie die von Greenpeace oder dem Bundesministerium für Umwelt, welche keine Notwendigkeit der Atomtechnologie sehen. Faktisch zwei Geschenke an die Atomwirtschaft auf einmal.

Und jetzt, ausgerechnet im Wahljahr 2011, angesichts der Katastrophe in Japan, stellt sich die Kanzlerin nach dem Ausstieg aus dem Atomaustieg ernsthaft hin und sagt, dass man die Sicherheit der Kraftwerke überprüfen muss. Ja, wie? Werden die Sicherheit und die Sicherheitsstandards nicht ständig geprüft? Wieso wurden sie nicht geprüft, als die Laufzeitverlängerungen beschlossen wurden? Was war denn die Grundlage der Entscheidung? Ich weiß nicht, wie man das sonst nennen soll, aber das ist eine klare Verfehlung der Aufgabe. Das ist Unfähigkeit. Aber das beste kommt noch:

Als der der Atomausstieg wieder verworfen wurde, waren Norbert Röttgen, also der verantwortliche Bundesumweltminister, der für eine deutlich kürzere Laufzeitverlängerung eintrat, nicht zuletzt aufgrund der Studien aus seinem Haus, und auch der Wirtschaftsminister Brüderle gar nicht anwesend! Schon alleine diese Tatsache ist lächerlich, da ausgerechnet die verantwortlichen Minister an der Kabinettsentscheidung daran nicht beteiligt waren. Das ist aber nicht alles! Die FDP legte damals Röttgen sogar den Rücktritt nahe, als der sich für kürzere Laufzeitverlängerungen einsetzte und wurde von seiner eigenen Partei  vor dem Juniorpartner nicht in Schutz genommen – so ganz im Gegensatz zu einem gewissen Lügenbaron. Und heute?

Heute tritt eine Angela Merkel vor die Medien, käut endlos die längst widerlegten Phrasen von „Sicherheit“, „Notwendigkeit“ und „Brückentechnologie“ wieder und verkündet im Superwahljahr, dass die in der Bevölkerung unpopuläre Entscheidung, die Atomkraft weiterhin zu betreiben, für drei Monate gestundet wird! Sicher, verschieben wir die Entscheidung auf danach, denn in drei Monaten sind der Großteil der Wahlen erfolgt, Fukushima ist hoffentlich dann vergessen und es steht faktisch nur noch Meck-Pomm an. Und was ist dann? Wird dann wieder nach „genauer Prüfung“ und der „Faktenlage“ beschlossen, dass Atomkraft doch kein Risiko darstellt, ganz von der Frage entkoppelt, wie denn der ganze Müll entsorgt werden soll, und diese unbedingt weitergeführt werden muss? „Ätsch, wir haben euch nur verarscht“? Nach der Guttenberg-Affäre und dem Festkleben am Stuhl, jetzt dies: Für wie bescheuert hält uns diese Regierung?!

Das kann’s echt nicht sein…

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