Langsam kann die japanische Regierung die Kernschmelzen nicht mehr wegleugnen, zu evident treten die Tatsachen, wie eine massiv erhöhte Strahlung, ans Tageslicht: Mittlerweile misst man Strahlendosen von etwa 1 Sievert pro Stunde. Dies ist das Tausendfache einer durchschnittlichen Jahresdosis und führt zu erheblichen gesundheitlichen Problemen.

Aber auch vorher schon waren die Anzeichen erkennbar, dass der japanische Regierungssprecher mit dem mitleiderregenden Gesichtsausdruck, Edano, nicht die Wahrheit sagte, als er eine Kernschmelze dementierte. Ich fasse noch einmal zusammen:

  • Der Betreiber von Fukushima 1 Tepco gab in der Nacht von Freitag auf Samstag, dass das „Brennmaterial beschädigt“ sei. „Beschädigt“ kann nur heissen, dass entweder die Brennstäbe verzogen oder diese geschmolzen wären.
  • Schon am Samstag wurde um das Atomkraftwerk Jod-131 festgestellt. Jod-131 hat eine Halbwertszeit von acht Tagen, so dass gefundenes Jod-131, im Gegensatz zu Cäsium-137 – einem weiteren Indikator für Material aus dem Inneren des Reaktors –, nur in den letzten drei Monaten freigesetzt worden sein kann.
    [Update] Jod-131 stammt nicht nur aus dem Reaktorinneren, sondern es ist unwahrscheinlich, dass die Jobverbindungen durch den Brennstabmantel durchsickert. Die Tatsache, dass man Jod-131 gefunden hat, legt nahe, dass die Uranoxid- oder Uran-Plutonium-Mischoxid-Pellets in direktem Kontakt mit dem Wasser innerhalb des Reaktordruckbehälters stand. Dies ist dann der Fall, wenn der Zirkoniummantel wegschmilzt.
  • Reaktor 1 explodierte in einer Knallgasexplosion, was beweist, dass sehr große Mengen Wasserstoff entstanden sind. Nun setzt dies voraus, dass die Brennstäbe „freiliegen“, sich also außerhalb von flüssigem Wasser befinden und nur in Wasserdampf eingehüllt sind. Die Temperaturentwicklung muss also dramatisch gewesen sein und ließe sich nicht allein durch Zerfallswärme erklären. Logischer wäre es, wenn zusätzlich eine Kettenreaktion erfolgt.
  • Für eine Kettenreaktion und eine Kernschmelze spricht auch die Erwägung/ der Einsatz von Borsäure, welche dem Kühlwasser zugesetzt werden sollte/ wurde. Dies wäre nicht notwendig, wenn der Reaktor nicht wieder kritisch geworden wäre, was nur durch eine Kernschmelze erfolgt sein konnte.
  • [Update] Eine Kernschmelze wurde stets dementiert, aber für „möglich“ gehalten. Hierbei war auffällig, dass in den offiziellen Aussagen „Kernschmelze“ mit „vollständiger Kernschmelze“ gleichgesetzt wurde – also umdefiniert wurde. Somit wäre eine „partielle Kernschmelze“ keine „Kernschmelze“ mehr. Was absurd ist.

Auch die Meldung vom Samstag, dass die USA „Kühlmittel“ nach Japan fliegen würden, erscheint in einem anderen Licht. Ich hielt das für eine Ente, denn was sollte das für „Kühlmittel“ sein? Ein Siedewasserreaktor wird mit Wasser gekühlt: Im Falle der Fukushima-Kraftwerke wäre das Süßwasser im Dampfkreislauf und Salzwasser aus dem Meer im Kühlkreislauf. Der Gedanke, die USA würden jetzt per Flugzeug einer Insel Wasser liefern, erschien absurd. Allerdings macht die Meldung dann Sinn, wenn es nicht um „Kühlmittel“, sondern um Borverbindungen, wie beispielsweise Borsäure handelte. Bor dient als Neutronenfänger und kann dadurch eine Kettenreaktion verhindern, indem, aus einer Kernspaltung entstehende und für eine Spaltung benötigte, Neutronen eingefangen werden.

Diese Überlegung ist aber ein weiteres Indiz dafür, dass schon in der Nacht zum Samstag bekannt war, dass eine Kernschmelze ablief oder bevorstand, und somit sämtliche Äusserungen Edanos und Kans bezüglich einer Kernschmelze Beschwichtigungsversuche und bewusste Lügen waren. Die Informationspolitik Japans war somit kein GAU, sondern ein Super-GAU.

Auch die Berichte, dass nur wenig Strahlung ausgetreten sei, ist mit Vorsicht zu genießen. Glaubt man Aussagen von Augenzeugen, dann wurden doch viele Menschen dekontaminiert oder sogar wegen Strahlenkrankheit behandelt. Eine Überprüfung dieser Aussagen. ist leider nicht möglich, da sie nur vor Ort erfolgen kann. Sie sollte aber dennoch zum Nachdenken anregen, da die Aussagen sich ins Gesamtbild einfügen.

Aber nicht nur in Japan werden Lügen und Desinformation offensichtlich: Auch hier müssen die Aussagen der Bundesregierung neu bewertet werden.

Da wäre zum Einen die Aussage, die Atomkraftwerke in Deutschland wären sicher. Immerhin wurde eine Laufzeitverlängerung beschlossen, ohne eine zusätzliche Sicherheitsprüfung für nötig zu erachten – ja, sogar ohne eine Aufrüstung der alten Kraftwerke, wie Biblis oder Neckarwestheim, vorzuschreiben, obwohl schon Jahre zuvor Gutachten Investitionen in die Sicherheittechnik verlangten. Dies wurde sogar aus den Reihen der Union gefordert – man erinnere sich an die Diskussion um die Terrorangriffe. Heute ist allerdings eine Sicherheitsprüfung notwendig, als ob es nicht schon vorher genug Unfallszenarien gab, welche einen GAU für wahrscheinlich hielten.

Dann wären da noch die Aussagen, mit denen die Laufzeitverlängerung begründet wurde, Atomkraftwerke würden in Deutschland gebraucht, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Diesen Aussagen haben einige Gutachten widersprochen, unter anderem ein Gutachten aus dem verantwortlichen Bundesministerium für Umwelt. Minister Norbert Röttgen wurde zu dieser Zeit kaltgestellt. Auch die Forderungen von Umweltaktivisten, zumindest die acht ältesten Atommeiler abzuschalten, da diese nicht notwendig seien, wurden mit der Versorgungssicherheit abgeschmettert.

Jetzt werden die sieben ältesten Reaktoren einfach abgeschaltet. Und siehe da: Es ist möglich und die Lichter gehen nicht aus!

Im Gegensatz dazu Japan: In Japan herrscht Strommangel, weil sich das Land von der Atomkraft und der zentralistischen Energieproduktion abhängig gemacht hat. Durch die Notabschaltungen der Kraftwerke und die Unfälle wird derzeit nicht genug Strom produziert. Eine schnelle Veränderung dieses Zustandes ist derzeit nicht absehbar. Alternativen existieren dort nicht.

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