Reaktorblock 4 im AKW Tschernobyl

Reaktorblock 4 im AKW Tschernobyl (Urheber: Carl Montgomery, cc-by, http://flickr.com/photos/83713082@N00)

Die Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. schätzt, anhand der von der IAEA gemessenen Strahlenwerte und -kontaminationen, den Nuklearunfall von Fukushima als so gravierend ein, wie den Reaktorunfall von Tschernobyl am 26. April 1986 und warnt vor einem „Super-GAU“ in Fukushima.

Offensichtlich bekommt diese Aussage nun auch Rückendeckung von Untersuchungen der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. Die ZAMG berechnet unter anderem die Wetterverhältnisse und die Emissionsausbreitung in der Krisenregion. Hierfür werden anhand von Messergebnissen die Freisetzungen radioaktiver Stoffe abgeschätzt.

Dieser Emissionsabschätzung nach, wurden in den ersten drei Tagen täglich etwa 130 PBq an Jod-131 freigesetzt. Das entspräche nach Einschätzung der ZAMG in den ersten drei Tagen etwa 20% der Freisetzung an radioaktivem Jod-131 während des Tschernobyl-Unfalls:

Bei der Reaktorkatastrophe von Chernobyl war die gesamte Freisetzung von Iod-131 1.76 1018 Bq, der von Cäsium-137 8.5 1016 Bq. Die für Fukuschima in den ersten drei Tagen abgeschätzten Freisetzungen sind damit bei 20% des Chernobyl-Terms für Jod, und 20-60% des Chernobyl-Terms für Cäsium.[sic!]

Beim schlimmsten Atomunfall im ukrainischen Reaktor wurden 1986, laut dem OECD-NEA-Bericht „Chernobyl: 10 years on“, etwa 1.000 bis 2.000 PBq (Petabecquerel – also entsprechen 1.000 PBq 1.000 Billiarden oder 1 Trillion Becquerel) bei einem Fehler von +-50% freigesetzt – wobei 70 PBq auf die Cäsiumfreisetzungen entfallen. Die ZAMG geht bei Tschernobyl von 1.760 PBq Gesamtfreisetzungen aus.

Extrapoliert man das über die letzten 13 Tage – wenn man den offiziellen Meldungen glauben darf, dann gab es erst in den letzten Tagen gravierende Freisetzungen, so dass man die getrost tun könnte –, dann sollten bis jetzt schon 90% der Jod- und 90% bis 250% der Cäsiumfreisetzungen aus Tschernobyl erfolgt sein. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass auch Plutonium im Umfeld des Kraftwerks in die Umwelt gelangte.

Folgt man den Definitionen der IAEA, wäre dieser Unfall nun als INES-7 einzustufen. So heisst es:

Level 7
“An event resulting in an environmental release corresponding to a quantity of radioactivity radiologically equivalent to a release to the atmosphere of more than several tens of thousands of terabecquerels of 131I.”

„Ein Ereignis, das in einer Freisetzung einer korrespondierenden Menge an Radioaktivität in die Umwelt, welche einem radiologischen Äquivalent einer Freisetzung in die Atmosphäre von mehr als mehrere Zehntausend Terabecquerel an 131I [Jod-131] entspricht.“

Schon letzte Woche bekundeten die französische und die brasilianische Atomaufsichtsbehörden Zweifel an der Einstufung des Unfalls als INES-4 (mittlerweile hochgestuft auf INES-5) und stuften den Unfall aufgrund der vorhandenen Informationen und Hinweise als INES-6 ein, wobei die französische Behörde noch anmerkte, dass auch eine Einstufung als INES-7 möglich sei, da nur die Menge an freigesetzten Radionukliden beide Einstufungen unterscheide.

Auch das “Institute for Science and International Security“ (kurz ISIS) in Washington schätzte den Unfall in Fukushima auf INES-6 ein, da mit dem Feuer in Block 4 und der Explosion in Reaktor 2 in keiner Weise mehr von einem „Unfall mit lokalen Konsequenzen“ ausgegangen werden kann. Wie schon die französische Atomaufsicht schloss ISIS eine Einstufung als INES-7 nicht aus.

Sollte die Einstufung auf die höchste Stufe hochgesetzt werden müssen, so stände Fukushima auf einem Level mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl, wobei sich jetzt schon andeutet, dass, aufgrund der Erfahrung mit anderen Atomunfällen, das Unglück noch verheerende Auswirkungen auf die japanische Bevölkerung haben wird.

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