Der Spiegel hat online zwei interessante Interviews veröffentlicht: Einmal mit Thomas Dersee von der Gesellschaft für Strahlenschutz und einmal mit Dr. Gerhard Wotawa von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien.

Ich habe vorab zwei Bemerkungen zu den Interviews:

  1. Die Mengenangaben zu den Brennstäben stimmen nicht. Weder 24.000 Tonnen (120x soviel wie in Tschernobyl), wie Herr Dersee behauptet, noch 1.760 Tonnen wie der Spiegel behauptet und sich ausgerechnet auf „New Science“ beruft, welche die Gesamtfreisetzungen von Tschernobyl mit 70 TBq angegeben hat (laut dem OECD-Bericht „Chernobyl – 10 Years on“ war es 100x soviel und nur die Freisetzung von CS-137 hatte einen Umfang von 70 TBq). Glaubt man den Zahlen von TEPCO (derzeit scheint auf dem TEPCO-Server einiges nicht zu funktionieren, daher erst einmal eine Sekundärquelle, aber ich erinnere mich etwas in dem Rahmen auch bei TEPCO oder der NISA gelesen zu haben), dann befinden sich in den Abklingbecken 2.724 Brennstäbe und in den Reaktoren 1 bis 3 weitere 1.496 Brennstäbe. Jeder Brennstab hat ein Gesamtgewicht von 170 kg, macht also zusammen 717.400 kg, also 717,4 Tonnen. In Tschernobyl befanden sich laut OECD 192 Tonnen Brennstoff. Wir haben es also in etwa mit dem 3- bis 4.fachen zu tun. Das macht die Sache aber auch nicht besser!
  2. Dr. Wotawa widerspricht seinen eigenen Angaben über die Freisetzung von Jod-131 und Cäsium-137, wenn er behauptet, dass diese noch nicht so schlimm seien, wie bei Tschernobyl (Er kennt die Zahlen und beruft sich selbst auf den OECD-Bericht). Zwar hat er recht, oder zumindest ist nichts anderes bekannt, dass in Fukushima kein ganzer Reaktor gesprengt wurde, was dazu führte, dass am ersten Tag über 700 TBq Jod-131 freigesetzt wurden, aber nimmt man seine Größenordnung an Freisetzungen (100 TBq/d Jod-131 bzw. 5-50 TBq Cäsium-137) und rechnet dies über die ganze Zeit, dann kommt man nach 20 Tagen auf 2.000 TBq Jod-131. Das wären fast 14% mehr als bei Tschernobyl. Bei Cäsium-137 wären es sogar 43% bis 1400% mehr! Die Größenordnungen der Freisetzungen wurden übrigens auch von dem französischen Strahlenschutzinstitut IRSN bestätigt und werden auch in ihren Simulationen verwendet. Auch die in Japan von der IAEA gefundenen Hotspots und die gemessenen Kontaminationen, die ein Niveau von Tschernobyl bestätigen, lassen angesichts des nahezu konstanten Westwinds darauf schließen, dass das Ausmaß von Tschernobyl schon längst überschritten wurde.

Zum Artikel: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753938,00.html

Advertisements