Mit der Legende der „Fukushima 50“ sind vor allem die Arbeitsverhältnisse der Arbeiter im Kraftwerk Fukushima 1 bekannt geworden, die gerne als „Techniker“ bezeichnet werden: Ungelernte Leiharbeiter, die aus ihrer prekären Arbeitssituation Angst haben, den Einsatz in Fukushima zu verweigern, schlechte Versorgung, schlechter Arbeits- und Strahlenschutz, schlechte Instruktionen  – und das nicht nur seit dem Reaktorunfall. Robert Hetkämper nannte sie „Wegwerfarbeiter“. Ihre Existenz wird kleingeredet und in Deutschland bezweifelt man, dass dies hier möglich wäre.

Wirklich?

In der Arte-Dokumentation „Alles im Griff?“ kamen diese Art von Arbeitern zu Wort. Man nennt sie auch „Kernkraftnomaden“ oder „Glow-Boys“, weil sie, scherzhaft betrachet, „so verstrahlt sind, dass sie im Dunkeln leuchten müssten“ und diejenigen, welche der gefährlichsten Arbeit nachgehen, heißen „Springer“ oder „Jumper“, weil sie für Montagearbeiten oder Reinigungsaufgaben in den Reaktordruckbehälter und andere heiße Zonen „springen“: Schnell rein, schnell raus – um die Dosis klein zu halten.

Auch in Frankreich ist deren Situation prekär, weil sie nicht für die Kraftwerksbetreiber arbeiten, sondern für Subunternehmer, die sich gegenseitig preislich unterbieten müssen, so groß ist der Preisdruck. Da wird gespart wo es nur geht und die Sicherheit, wie auch die Strahlenschutzverordnungen werden vernachlässigt. Sollte dennoch ein Arbeiter erkranken, dann hat er kaum eine Chance seine Erkrankung als Arbeitsunfall oder Berufserkrankung anerkannt zu bekommen, weil dies in Frankreich nach 10 Jahren verjährt.

In Deutschland machte Mitte der 1980er Günter Wallraff auf ähnliche Umstände aufmerksam, was stets dementiert wurde. Aus den USA sind ebenfalls ähnliche Geschichten zu vernehmen und man erinnere sich nur an die Geschichte der Karen Silkwood, einer Chemietechnikerin in einer us-amerikanischen Plutoniumfabrik, die ausgerechnet dann bei einem Verkehrsunfall starb, nachdem sie angekündigt hatte, die Wahrheit über die Arbeitsbedingungen zu veröffentlichen.

Vor 12 Jahren erschien in der „Berliner Zeitung“ ein Artikel, in dem die deutschen „Wegwerfarbeiter“ zu Wort kamen und es wird deutlich, dass die Sache mit den „Wegwerfarbeitern“ in kerntechnischen Anlagen überall auf der Welt System hat:

Mit Putzlappen und Gummischieber am Reaktor

Leiharbeiter, die in deutschen Atomkraftwerken beschäftigt waren, berichten über schwere Versäumnisse beim Strahlenschutz

Frank Nordhausen

LANDSHUT/BONN, im Januar. Thomas Schmidt hat ein Dutzend deutscher Atomkraftwerke von innen gesehen. Zwei Jahrzehnte hat er dort radioaktive Rohre und verstrahlte Armaturen geputzt sowie Brennstabbehälter „dekontaminiert“, sie also von ihrer Strahlung befreit. Der 40jährige Mann sitzt in seiner Küche, öffnet eine Flasche Bier und beginnt zu erzählen. „Es gab gut Cash für nicht allzu schwere Arbeit“, sagt er. Dann redet er über seine Krankheit: Er hat Krebs im rechten Ohr, ein Drittel seiner Lunge wurde entfernt. Mehr

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