Es ist fast schon mitleiderregend, wie der Ex-Doktor und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg alles und allem die Schuld für seine vorsätzliche Täuschung und Fälschung seiner Doktorschrift gibt.

Gestern veröffentlichte die Universität Bayreuth den Abschlußbericht der Untersuchungskommission, welche sich mit dem Fall befaßt hatte. Dieser Bericht brachte wenig Neues ans Licht:

Guttenberg habe wissenschaftliche Standards „evident grob verletzt“, die Autorenschaft verschleiert und den Eindruck hinterlassen, selbst hinter dieser zu stehen, „Falschangaben bewußt getätigt“ und die „Täuschungen durchziehen die Arbeit als werkprägendes Arbeitsmuster“. Guttenberg hat bis zuletzt die Vorwürfe bestritten, von „Fehlern“ und „Mißverständnissen“ gesprochen und somit bewusst die Öffentlichkeit belogen. Das war jedem, der sich auf GuttenPlag Wiki aktiv mit der Dissertation und den Plagiaten auseinandergesetzt hat, sofort klar, da dies offensichtlicher nicht sein konnte, und man kann mit Fug und Recht den Verteidigern Guttenbergs, die versucht haben, die Vorwürfe der Kritiker als „Schmutzkampagne“ gegen jemanden, der „Stärke zeigt“, zu verunglimpfen, genau dies vorwerfen, da sie dadurch bewusst oder unbewusst mithalfen die Öffentlichkeit zu belügen. Namentlich wären allen voran Volker Kauder zu nennen, für den die ganze Angelegenheit erledigt war. Aber auch Angela Merkel, als Kanzlerin oberste Ministerin, muss sich diese Kritik gefallen lassen.

Welche „Stärke“ Guttenberg gezeigt hat, der bis heute seine bewusste Täuschung beim Verfassen der Dissertation, aber auch beim Umgang damit gegenüber der Öffentlichkeit, nicht zugegeben hat, kann man auch aus dem Abschlußbericht herauslesen, da auch Guttenbergs Erklärung gegenüber der Universität vom 26. April 2011 angesprochen wird:

Aus Sicht von Herrn Frhr. zu Guttenberg handelte es sich, wie er erklärt hat, um eine „ungeordnete Arbeitsweise“ mit „gelegentlich chaotische[n] Züge[n]“.

[…]

Die Situation des durch das berufliche und parteipolitisch motivierte Engagement bedingten Zeitdrucks war nach seiner Darstellung eingebettet in eine Erwartungshaltung der Familie, dass die bestehenden Anforderungen erfolgreich bewältigt würden.

Guttenbergs Erklärungen erscheinen weiterhin wie blanke Realitätsverweigerung: Keine Zeit, Unordnung, viele unterschiedliche Disketten  und andere Datenträger – und zu guter Letzt soll auch noch die Erwartungshaltung der Familie schuld sein. Tut mir leid, aber billige Ausreden und der eigenen Familie eine Mitschuld für die eigene, bewusste Handlung zuzusprechen, zeugen nicht von Charakterstärke. Das Gegenteil ist der Fall! Zumal diese hanebüchenen Ausflüchte nicht erklären, weshalb Textstellen von anderen Autoren mit geringen Modifikationen übernommen wurden oder Verweise und Notizen der eigentlichen Urheber entfernt wurden. Mit Zeitnot, Mehrfachbelastung, chaotischen Zuständen oder gar mit familiärem Druck hat das wenig am Hut.

Interessant aber, wie sich das arrogante Getue vom Anfang der Affäre in ein kleinlautes Gewimmer von dummen Ausreden verwandelte…

Andererseits ist es erschreckend, dass diese Affäre gezeigt hat, wie bestimmte Medien, Organisationen und Menschen die öffentliche Meinung manipulieren können und die Demokratie durch diese Lügen sehr anfällig ist.

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