Derzeit liegt der Fokus der westlichen Medien in Bezug auf die Aufstände im arabischen Raum bei Syrien, während Libyen nur noch am Rande Erwähnung findet, wobei die NATO noch immer Luftangriffe auf Libyen fliegt. Dass diese Bombardierungen nicht aus Menschenliebe geschehen, sondern knallharte wirtschaftliche Überlegungen bezüglich der libyschen Erdölfelder, sollte mittlerweile bekannt sein. Auch weitere Gründe kommen auf.

Was ist aber mit den westlichen „Verbündeten“ aus dem arabischen Raum? Wie steht es dort mit Demokratie und Menschenrechten?

An den Angriffen der westlichen Koalition auf Libyen beteiligte sich auch das Emirat Katar, welches sich letztes Jahr die Fussballweltmeisterschaft für 2022 sichern konnte. Zudem „half“ das Land den libyschen Rebellen beim Verkauf von Erdöl, wobei scheinbar die Einrichtung von Konten für die provisorische Regierung und die Erdölverkäufe Vorrang vor der humanitären Hilfe der Bevölkerung hatten. Dass die Erlöse für Waffenkäufe aufgewendet werden, ist fast schon selbstverständlich, wobei die Tatsache, dass Waffenexporte in Krisenregionen eigentlich verboten sind, schnell beiseite geräumt ist.

Nun ist aber Katar eine absolute Monarchie, also selbst eine Diktatur und, obwohl die Fussball-WM dort ausgetragen werden soll und Katar auch der Sitz von „Al Jazeera“, welcher vom Monarchen gesponsort wird, für Menschenrechtsverletzungen, Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit, sowie weitreichende Diskriminierungen verantwortlich. Die US-Forschungseinrichtung „Freedom House“ listet Katar als unfreies Land auf, welches bezüglich der politischen Rechte auf einer Skala von 1 für „größtmögliche Freiheit“ und 7 für „geringste Freiheit“ mit 6 und bezüglich der persönlichen Freiheitsrechte mit 5 bewertet wird.

Dazu kommt noch etwas anderes: Katar marschierte zusammen mit Saudi-Arabien in Bahrain ein, um die dortigen Demonstrationen gegen die Regierung zu unterdrücken. Bei diesen Auseinandersetzungen sind mindestens 24 Menschen getötet worden. Hunderte wurden festgenommen. Der UNO zufolge sind in Bahrain noch mindestens 1.000 Demonstranten in Haft. Vier Demonstranten starben dort seit ihrer Festnahme, was dahingehend besorgniserregend ist, da Bahrain als Land gilt, indem systematisch gefoltert wird.

Ende April wurden darüber hinaus vier Demonstranten, alle Zivilisten, von einem Militärgericht in einem nicht-öffentlichen Verfahren zum Tode verurteilt, weil diese angeblich einen Polizisten getötet hätten. Auch 47 Ärzte und Pflegerinnen wurden jetzt vor einem Militärgericht angeklagt, weil sie mit der Behandlung von Demonstranten die Proteste gegen das Königshaus unterstützt hätten. Weitere 21 Oppositionelle wurden schon angeklagt, wobei keine rechtsstaatlichen Standards eingehalten werden – ihnen droht ebenfalls die Todesstrafe. Offiziell wurde Bahrain durch die sogenannte „Operation al-Farouq“ erfolgreich „von Saboteuren und Kriminellen befreit“.

Auch wenn die UNO die Freilassung der Demonstranten und eine Untersuchung der Umstände fordert, wie es zu den Toten während der Proteste kam: Die westlichen Staaten, die sich anschicken, Libyen mittels Uranmunition zu befreien, werden die Zustände in Katar und Bahrain nicht interessieren. Man kann auch sicher sein, dass der Formel-1-Zirkus auch wieder in Bahrain gastieren wird, um dort seine Runden zu drehen, und dass die Fussball-WM ohne Weiteres 2022 in Katar stattfinden wird. Es geht eben nicht um Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit – es geht ums Geschäft! Auch für die Sponsoren dieser beiden Sportveranstaltungen!

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