Kaum wurde Karl-Theodor zu Guttenberg auch offiziell von der Universität Bayreuth als Blender und Fälscher entzaubert, der seine Dissertation bewusst plagiierte und vorsätzlich täuschte, kommen schon die ersten Stimmen, die Guttenberg wieder zum Heilsbringer machen wollen und die Angelegenheit als „erledigt“ ansehen und das „Vergeben und Vergessen“ ausgraben. Dabei ist die Sache in strafrechtlicher Hinsicht eben nicht erledigt. Ein Grund zurückzuschauen und Guttenbergs Aussagen noch einmal zu beleuchten.

Karl-Theodor zu Guttenberg galt als der Inbegriff an Integrität und Aufrichtigkeit. Zumindest hat man versucht ihn medial als diesen zu präsentieren und auch er inszenierte sich in dieser Art:

Aufrichtigkeit sollte die Grundlage jeder Politik sein. (Guttenberg im Interview mit dem Focus 2009)

Verantwortung bedeutet vor allem Verpflichtung, Vertrauen und Gewissen. (Leitsatz auf Guttenbergs Website)

Er selbst sagtet, dass er sich an den selben Maßstäben messe, wie er andere misst, somit sollten Aufrichtigkeit, Verpflichtung, Vertrauen und Gewissen die Meßlatte stellen.

Ich habe die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt. (Guttenberg am 15. Februar 2011, als die ersten Plagiatsvorwürfe bekannt wurden)

Hier hat Guttenberg schon gelogen, denn er wusste, dass die Arbeit ein bewusst gefertigtes Plagiat war. Wenn er das zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dann, weil er die Arbeit nicht selbst angefertigt hatte.

Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.  […] Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung. (Guttenberg am 16. Februar 2011)

Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat […] Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht. […] Ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone: vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen. (Erklärung Guttenbergs vom 18. Februar 2011)

Hier war die Beweislage schon erdrückend. Ein kurzer Blick in das GuttenPlag-Wiki hätte auch für ihn ausgereicht, um das Ausmaß des Plagiats zu erkennen. Auch war zu dem Zeitpunkt an der Art der vorgefunden Plagiat leicht zu erkennen, dass vorsätzlich gehandelt wurde. Anders ließe sich nicht erklären, weshalb Anmerkungen der Urheber, die auf die Urheberschaft hinwiesen, weggelassen wurden, Sätze umgebaut oder einfach nur Begriffe ausgetauscht wurden. Flüchtigkeitsfehler sind das nicht!

Aber hier spricht noch etwas anderes gegen Guttenberg: Seine arrogante Selbstherrlichkeit! Es stand ihm zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu über das Führen seines akademischen Grades zu entscheiden, da es offensichtlich war, dass der Universität Bayreuth keine andere Möglichkeit blieb, als den Grad abzuerkennen.

Ich habe mich am Wochenende noch einmal mit meiner Doktorarbeit beschäftigt und feststellen müssen, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. […] Ich kann auch eines sagen: Ich habe diese Arbeit selber geschrieben, weil ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich da geschrieben habe. […] Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht und musste mich natürlich auch selbst fragen: Wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren?  (Guttenbergs Erklärung auf einer CDU-Veranstaltung in Kelkheim vom 21. Februar 2011)

Jetzt wurden aus den „abstrusen“ Vorwürfen „gravierende Fehler“ und „Blödsinn“. Es ging aber nicht um Formfehler oder inhaltlichen Blödsinn, sondern um bewusste Täuschungen, wie der Übernahme seitenlager Passagen anderer Autoren und der Anmaßung der Urheberschaft, sowie der Verschleierung der Tatsache, dass Texte anderen Autoren gehörten.

Aber festhalten will ich doch, dass ich zu keinem Zeitpunkt vorsätzlich oder absichtlich getäuscht habe. (Guttenberg in seinem Schreiben an die Universität Bayreuth, in dem er die Universität „bittet“ den Doktortitel zu „entziehen“.)

Was die Frage betrifft, was man für ein Signal in die Wissenschaftsgesellschaft sendet, wenn man eine offensichtlich sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben hat, dann kann ich nur sagen, dass das ein schlechtes Signal ist, dass ich hier gesendet habe. […] Und dass ich trotzdem mir den Anspruch setze, weiterhin auch als Vorbild, auch was das Eingestehen und das Bekennen zu Fehlern anbelangt, wirken kann. […]  Ich habe fehlerhaft gehandelt. (Guttenberg in der Fragestunde des Bundestages am 23. Februar 2011)

Guttenberg versuchte wieder ein Plagiat und eine bewusste Täuschung als fehlerhafte Arbeit zu verkaufen, dabei ist eine fehlerhafte Arbeit etwas anderes. Er versucht sich selbst noch als Vorbild hinzustellen, der „Fehler“ eingestehen kann. Nur hätte hier ein Eingeständnis zum Inhalt gehabt, dass er die Arbeit bei zig Autoren „zusammengeklaut“ und dies zu vertuschen versucht hat. Das wäre ein Eingeständnis gewesen. Denn er wusste davon oder hätte davon wissen müssen, denn alternativ hätte er auch im Falle, dass er nicht derjenige war, der die Doktorschrift angefertigt hat, eingestehen können, dass er jemanden damit beauftragt hatte und dieser Ghostwriter für das Plagiat verantwortlich war.

Hier wäre auch der Punkt gewesen, an dem eine Entschuldigung von Nöten gewesen wäre, und zwar gegenüber ursprünglichen Urhebern, gegenüber dem Wähler und dem Parlament für die Lügen und dem Vertrauensmißbrauch, gegenüber den Kritikern, die er zu unrecht diffamierte (Wir erinnern uns: Bild & Co. lancierten zu dem Zeitpunkt eine Medienkampagne um künstlich eine Gegenöffentlichkeit zur Sachlage, aber auch zur Stimmungslage zu schaffen.). Das wäre aufrichtig und verantwortungsvoll gewesen. Dem entsprechend wäre das auch der Zeitpunkt gewesen, an dem ein Rücktritt spätestens hätte kommen müssen, denn als Minister war er unhaltbar.

Was aber tat Guttenberg?

Ich habe gesagt, der Vorwurf sei abstrus, dass die Arbeit ein Plagiat sei. Ein Plagiat setzt – wie Sie und wie viele wissen – voraus, dass man bewusst und vorsätzlich getäuscht haben sollte.Und ich habe in all meinen Stellungnahmen deutlich gemacht, dass ich weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht habe, aber gravierende Fehler gemacht habe. (Guttenberg in der Fragestunde des Bundestages am 23. Februar 2011)

Er wiederholte die Lügen gegenüber dem Bundestag und versuchte die Leute, die zu recht eine Erklärung haben wollten, als Täter hinzustellen.

Hier noch einmal die Fragestunde des Bundestages am 23. Februars 2011:

Endgültig lächerlich macht sich Guttenberg, der zu diesem Zeitpunkt schon längst des Plagiarismus überführt war und es auch ihm klar gewesen sein sollte, dass sich sein eigenes Handeln als Verstöße gegen das Urheberrecht – möglicherweise sogar als gewerbliche Verstöße gegen das Urheberrecht – im strafrechtlich relevanten Raum befindet, den Kritiker vorwirft, ihre Kritik könnte als üble Nachrede eine strafrechtliche Relevanz besitzen.

Ich würde sie im Zweifel – so wie Sie es drastisch ausgedrückt haben – für dumm verkaufen, hätte ich nicht die Konsequenz von vorgestern gezogen. Ich würde im Zweifel diese Wirkung auslösen, wenn man sich nicht zu dem, was man falsch gemacht hat und wo man Fehler gemacht hat, entsprechend bekennen würde. (Guttenberg in der Fragestunde des Bundestages am 23. Februar 2011)

Hier wird es absurd: Guttenberg hatte sich nicht zu seiner Handlung und seinem „Fehler“ bekannt, da dies beinhalten würde, dass er seine absichtliche Täuschung und Fälschung zugibt. Somit hat er die Menschen, auch nach seiner Definition, „für dumm verkauft“.  Aber anstatt die Schmierenkomödie zu beenden und vor allem aufzuhören, die Menschen in diesem Land „für dum zu verkaufen“, führt er ungeniert all dies fort – selbst vor laufenden Kameras im Bundestag.

Ich gehe nicht allein wegen meiner so fehlerhaften Doktorarbeit, wiewohl ich verstehe, dass dies für große Teile der Wissenschaft ein Anlass wäre. Der Grund liegt im besonderen in der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann. (Guttenberg in seiner Rücktrittsrede am 1. März 2011)

Auch hier: Kein Eingeständnis, keine Entschuldigung, keine Einsicht. Dies setzt sich übrigens, wie man aus dem Abschlußbericht der Universität Bayreuth entnehmen kann, bis in seine Stellungnahme gegenüber der Universität fort.

Wo war also das Eingeständnis? Guttenberg hat seine Doktorarbeit gefälscht, sein Ehrenwort gebrochen, sich ungeniert bei anderen Autoren bedient und Profit daraus gezogen, gegen die Nutzungsbedingungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages verstoßen, nachweislich unzählige Male die Öffentlichkeit belogen, seine Kritiker diffamiert, die in allen Punkten rechtbehielten, sich angesichts seiner Situation arrogant verhalten, der Universität Bayreuth, seinem Doktorvater und der wissenschaftlichen Gemeinschaft in Deutschland erheblichen Schaden zugefügt, er hat mit dem Bundestag das höchste deutsche Parlament belogen, er hat zunächst versucht die Veröffentlichung des Abschlussberichts zu verhindern und zu guter Letzt auch die Untersuchungskommission der Universität belogen und versucht sich mit lächerlichen Ausreden (z.B. er seiner Familie eine Mitschuld für sein Fehlverhalten zu geben) aus der Affäre zu ziehen. Eingeständnisse sehen anders aus.

Was bleibt übrig? Von Guttenbergs Vorsätzen und moralischen Maßstäben nicht viel. Er ist ein Blender, Lügner und Betrüger, der in der Politik nichts verloren hat, da er jegliches Vertrauen verspielt hat. Sollte er jemals wieder in die Politik kommen, wäre das ein schlechtes Zeichen für die Integrität der Demokratie in diesem Land.

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