Es steht mittlerweile faktisch außer Frage, dass die beiden FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin und Georgios Chatzimarkakis ihre Doktorschriften über große Teile plagiiert haben. Während Koch-Mehrin frühzeitig ihre Konsequenzen aus der Sache gezogen hat und ihre Parteiämter niederlegte, ging Chatzimarkakis auf absurde Weise in die „Gegenoffensive“ und erklärte, er hätte „unterschiedliche Zitierweisen verwendet“, die „Raum für Spekulationen ließen“. Hierbei bekam er Rückendeckung aus seiner Partei. Insbesondere Alexander Graf Lambsdorff bezeichnete das Vorgehen der Plagiatsjäger als „mittelalterlicher Pranger“ und erklärte, dass Chatzimarkakis ein „kreativer Kopf und mutiger Querdenker“ sei, der es „mit Sicherheit nicht nötig gehabt [habe], Textstellen anderer Autoren zu übernehmen, um Ideen zu produzieren“ . Sein Parteikollege Alexander Alvaro sieht bei den Plagiatsjägern sogar ein „Denunziantentum aus dem Schutze der Anonymität des Internets“.

Beide Ansichten sind übrigens absurd, denn die Dissertationen sind keine „Privatsache“, sondern freiwillig veröffentlichte, wissenschaftliche Arbeiten und werden entsprechend wissenschaftlicher Standards auch öffentlich überprüft, wie ein jedes Buch rezensiert werden kann. Das ist kein Pranger, sondern ein jeder kann sich ein Bild davon machen. Dies ist Voraussetzung des wissenschaftlichen Systems, welches sich der Wahrheit verpflichtet. Um nichts anderes geht es hierbei, auch wenn sich so mancher FDP-Politiker etwas anderes wünscht.

Nun gibt es offensichtlich wieder einen Verdachtsfall aus den Reihen der FDP, wenn auch der Name von den Plagiatsjägern der VroniPlag-Wiki offiziell noch nicht genannt wurde. Allerdings trägt der neue Fall das Kürzel „BDS“ und befasst sich mit der Doktorarbeit des Bundestagsabgeordneten und  Mitglied des Auswärtigen Ausschusses Bijan Djir-Sarai zum Thema „Ökologische Modernisierung der PVC-Branche in Deutschland“, welche im Rahmen der Promotion an der Universität Köln entstanden ist. Menge und Qualität der beanstandeten Textstellen kommen derzeit nicht an die Vorwürfe gegen Chatzimarkakis heran, bei dem knapp 2 von 3 Seiten Plagiate enthalten, aber auch bei Djir-Sarai drängt sich der Verdacht des Plagiarismus auf.

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